Wahre Worte: „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“, sagte dereinst Nationaltrainer Sepp Herberger, der für seine Weisheiten fast genauso berühmt ist wie seine Erfolge mit der deutschen Elf. Doch der legendäre Coach, der 1954 mit seinem Kader im „Wunder von Bern“ Weltmeister wurde, ist in Fußballkreisen alles andere als eine Seltenheit, wenn es um geflügelte Worte, Wortverdrehereien und Skurriles geht. Bei manchen Fußballern warten die Fans schon von vornherein auf die schönsten Zitate bei den Spielerinterviews.

Das trifft vor allem zu, wenn sich die Bundesliga Wetttips von Experten als nicht ganz so zuverlässig erwiesen haben und die Spieler sowie Trainer von den Ergebnissen enttäuscht waren. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, erklärte einst Andreas Brehme, der als Nationalspieler 1990 die deutsche Elf im Endspiel gegen Argentinien zum Weltmeistertitel geschossen hatte.
Ähnlich treffend drückte sich Trainer Jupp Derwall zu einer anderen Gelegenheit aus: „Da steckste nicht drin.“ Sein Kollege Otto Rehhagel sah es ähnlich: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“
Bayernstar und Nationaspieler Paul Breitner wird das lustige Zitat „Da kam das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz flüssig.“ zugeschrieben.
Allerdings können manche dieser Aussprüche auch hart zu schlucken sein, vor allem, wenn es um Trainer und junge Spieler geht, die erst den Umgang mit der Kritik lernen oder herausfinden müssen, welche Sprüche ernst gemeint sind und welche eher der Image-Pflege gelten. Als Trainer Max Merkel einst erklärte: „Eine Straßenbahn hat mehr Anhänger als Uerdingen“ machte sich der Ausspruch gut in den Schlagzeilen und für Gespöttel am Stammtisch, aber für Uerdingen-Kicker und Fans war der flotte Spruch schwieriger zu verdauen.

Und auch Rivalitäten werden gern in Interviews angesprochen und so für die Ewigkeit festgehalten, selbst wenn sie nur in der Hitze des Augenblicks hochgespielt wurden.
Bayern Münchens Torjäger Miroslav Klose soll auf die Frage, ob sein Sturmpartner Lukas Podolski mehr Fürsorge seitens des Clubs benötige, flapsig gesagt haben: „Für Streicheleinheiten müssen wir uns eine Katze kaufen.“

Bayern-Legende Uli Hoeneß, der Starkicker Lothar Matthäus nicht unbedingt immer grün war, hielt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg: „Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.“
Stilblüten statt Gemeinheiten gehören zu dem Stoff, aus dem Fußballerlegenden jenseits des Spielfelds gemacht sind. Zu den schönsten zählen Mario Baslers: „Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt“, und von Lotthar Matthäus: „Wir sind eine gut intrigierte Truppe“, obwohl dieser fast schon Freudsche Versprecher durch die immer wieder Schlagzeilen machende Fehden innerhalb des Bayern-Kaders ausgelöst worden sein konnte.

Andreas Möller gestand öffentlich ein: „Ich bin immer sehr selbstkritisch, auch mir selbst gegenüber,“ und auch: „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl.“ Doch Möller hatte auch weniger frohe Momente: „Das ist eine Deprimierung,“ wird ihm ebenfalls zugeschrieben.

Selbstkritisch zeigte sich Andreas Herzog: „Ab der 60. Minute wird Fußball erst richtig schön. Aber da bin ich immer schon unter der Dusche.“
Dass so mancher Fußballer aufgrund des harten Trainings die Schule vernachlässigt hat, ist nicht gerade ein Geheimnis. Ob wohl Nachwuchsspieler Alessandro Riedle daran gedacht hatte, als er im Alter von 17 Jahren nach seiner ersten Vertragsunterzeichnung verkündete: „Ich werde sicher nebenbei studieren, damit ich nicht komplett verblöde?“
Vor allem, wenn es ums Rechnen geht, sind herrliche Ausrutscher in die deutsche Fußballgeschichte eingegangen. Auf Roland Wohlfahrts Konto geht: „Zwei Chancen, ein Tor, das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.“

Horst Hrubesch fasste sich kurz, knapp und nicht ganz korrekt: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.“

Horst Szymaniak zeigte sich arbeitgeberfreundlich, als es um sein Gehalt ging: „Ein Drittel mehr? Nee, ich will mindestens ein Viertel!“

Selbst Bayernstar und Nationaltrainerlegende „Kaiser“ Franz Beckenbauer zeigte sich im Interview zumindest kurzfristig mathematisch überfordert: „Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage!“ Und „Berkant Öktan ist erst siebzehn. Wenn er Glück hat, wird er nächsten Monat achtzehn“, klingt eher nach Mafiaboss denn „Kaiser Franz“, aber das Zitat ist auf seinem Mist gewachsen.

Ingo Anderbrügge hatte es ebenfalls nicht so mit dem Rechnen als er verkündete: „Das Tor gehört zu 70% mir und zu 40% den Wilmots.“

Toni Polster hatte hingegen leichte Schwierigkeiten mit der Biologie, auch wenn er für seine Manieren die volle Punktzahl verdient hatte: „Ich grüße meinen Vater, meine Mutter und ganz besonders meine Eltern.“

Aber etliche Kicker sind und waren auch ganz groß, wenn es ums einfache Erklären ihres Sports geht. „Abseits ist wenn der Schiedsrichter pfeift“, ist eine Erkenntnis, die wir Beckenbauer verdanken, genau wie: „Am Ergebnis wird sich nicht mehr viel ändern. Es sei denn, jemand schießt ein Tor.“

„Das Runde muss ins Eckige“, betonte Helmut Schulte, und Hans Krankl sagte: „Wir müssen gewinnen. Alles andere ist primär.“

Aber bei allen stilistischen und logischen Ausrutschern, Sticheleien und geflügelten Worten bleibt eines in seiner Schlichtheit als wichtigste Erkenntnis für Profis, Nachwuchssportler und Fans im Gedächtnis. Keiner hat es besser ausgedrückt als Sepp Herberger, als er seinen Kader erinnerte: „Elf Freunde müsst ihr sein.“ Kurz danach schickte er seine Mannen als Außenseiter aufs Spielfeld, nur um nach dem Abpfiff mit ihnen als Weltmeister dazustehen. Das Spiel hatte 90 Minuten gedauert, der Ball war rund, und die Zitate sind genau wie das Match in die Geschichte eingegangen.

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